Gothic Friday – Februar – Musik: Schlichtweg süchtig…

Das Unileben hat mich seit letzter Woche mit fester Hand im Griff, und ich versuche gerade mich auf den Semesteranfang vorzubereiten (lies: nichT durchzudrehen, weil die Bachelorarbeit vor der Türe steht). Ich wünschte ich würde die Zeit finden zu bloggen, aber das scheint von Jahr zu Jahr schwieriger zu werden. Das Thema des heutigen Monats ist für mich sehr interessant, da Musik ein wichtiger Teil meines Lebens ist, mir aber langsam bewusst, dass diese Beziehung nicht nur gute Seiten hat…

  • Was bedeu­tet Musik für Dich? Wie wich­tig ist sie Dir?
    Ich bin ganz klar musiksüchtig. Wichtig ist einerseits das Wiederfinden seiner Gefühle in Texten oder der Musik an sich, was für einen Menschen der oft Schwierigkeiten hat seinen Gefühle klar zu erkennen resp. sie überhaupt zu fühlen enorm wichtig ist. Musik ist für mich schon seit kleinauf aber auch Mittel der Realität zu entfliehen. Sich in andere Welten zu träumen, wo alles besser ist, gehört zu meinen schlechten Angewohnheiten. Deswegen trifft es Sucht ganz gut, denn ohne kann ich sicher nicht, aber ich muss vorsichtig sein, damit ich sie nicht allzu oft zum Flüchten benütze und mich gewissen Gefühlen einfach nie stelle. Beispielsweise die ständig an mir nagende Versagensangst, die mir immer wieder den Tag vermiest und meinen Magen in einen nervös zuckendes Muskelbündel verwandelt…Ob ich wirklich nicht ohne Musik leben könnte?  Ja, sicher, das Praktikum  im August habe ich bis auf 10 Minuten Radio in der Küche auch ohne überlebt. Nach vier Tagen spielte entweder mein Kopfradio oder ich widmete ich mich der Musik um mich herum. Geräusche, zirpende Heuschrecken, der Wind in den Blättern, es ist doch auch Musik, nicht? Ohne Musik kann ich leben, aber mein Gehör wäre der Sinn, ohne den ich nicht leben könnte. Ja, ich gebe lieber meine Augen her als meine Ohren!
  • Wel­che Rich­tun­gen »schwar­zer Musik« hörst du? Nenne ein Bei­spiel, das für Dich deine Bedeu­tung des Genre am bes­ten Wie­der­gibt.
    Oh, da muss ich mal überlegen…also sicher gerne Post Punk, NDW, Dark Wave, Death Rock, Gothic Rock, Psychobilly (The Cramps) aber auch Future Pop und Elektronisches Zeug höre ich gerne. Da dieses Genre, also schwarze Musik, nur ein übergeordneter Begriff für viele Musikstile ist kann ich hier praktisch jedes Lied hinpacken und das Genre wird genauso schlecht wie recht repräsentiert. Deswegen lasse ich es lieber, ich könnte mich noch in einem Jahr nicht entscheiden.
  • Wie wür­dest deine musi­ka­li­sche Lauf­bahn beschrei­ben? Über wel­che Rich­tung der Musik bist Du in die Szene gekom­men, wel­che hast hin­zu­ge­won­nen, wel­chen hast du abge­schwo­ren und was hörst du heute?
    Fangen wir von ganz klein an. Mit fünf mochte ich Schweizer „Hudigägelermusig“, soll heissen ich hörte Jodlermusik. Kann ich heute nicht mehr verstehen. Wahrscheinlich war ich vom Teufel besessen. 1-4. Klasse: Die Kelly Family, nein, das ist kein Witz. Ich mochte die wirklich und natürlich gefiel mir Paddy…ansonsten damals auch die Backstreet Boys. Ich erinnere mich noch gut daran, dass meine Schwester das erste europäische Poster von denen im Zimmer hängen hatte. 4-6. Klasse vor allem Cats und New Radicals, beides höre ich mir noch heute gerne an. 7. Klasse 2. Boygroupphase. Nein, das höre ich nicht mehr. Danach ging es los mit der schwarzen Musik: The Cure, Christian Death, Fields of the Nephilim etc. Ich höre mir im übrigen alle Bands von damals noch heute an, was daran liegt, dass ich eine CD nur kaufe, wenn sie mich wirklich überzeugt. Egal, wenn ich dafür drei Stunden im Media Markt die CD-Player blockiere, heute höre ich mir die Musik aber meist zuerst im Internet an. Natürlich gab es Musik die mir nicht gefiel, aber da ich die nie wirklich hörte, zählt die hier ja nicht. Im Verlauf der Jahre hat sich mein Horizont vor allem Richtung elektronischer Musik erweitert, aber sonst kann ich nichts Spektakuläres erzählen. Natürlich höre ich gewisse Musik mal längere Zeit nicht, nur um sie dann wieder hervor zu kramen. Aber das wird wohl jedem so ergehen.
  • Wie und wo hörst du Musik am liebs­ten?
    Da mein Budget eher beschränkt ist, ich aber das Runterladen von Musik vermeiden möchte, höre ich mir zwangsläufig viel bei Youtube an, was auch mein Hauptinstrument ist, wenn ich neue Musik entdecken will. Ansonsten natürlich auf meiner Stereoanlage, eher laut, nur sind die Wände hier aus Papier und ich höre  meinen Nachbarn momentan mal wieder husten. Am liebsten aber mit Kopfhörer im Zug oder in der Stadt, was ich aber mittlerweile lasse, da man doch allzu viel von der Welt verpasst und an Leuten vorbeiläuft die man kennt. Ja, auch dann wenn sie einem von links ins Ohr brüllen…
  • Wel­che Musik hörst du außer­halb der typi­schen dunk­len Musik noch?
    Klassik, und zwar fast nur Ballettmusik. Am liebsten Schwanensee oder die Bayadere. Britney Spears, Backstreet Boys und Katy Perry beim Putzen. New Radicals immer wieder gerne. Das Folklore Album von Nelly Furtado, einfach so. Ansonsten auch sehr gerne Johnny Winter, wenn ich einfach nur gute Laune haben will, Disiz la Peste, ein französicher Rapper, Garbage oder No Doubt.  Dreckiger simpler Rock darf aber auch nicht fehlen…ich glaube wenn man wissen will, was ich mag, sollte man wissen was ich hasse. Dazu gehört Funk, Free Jazz und dämliches Gangstergehampel…und tanzen kann ich zu fast allem 😉 Während ich diesen Artikel schreibe höre ich das:
  • Mal ange­nom­men, Du könn­test ein Instru­ment spie­len, hät­test eine tolle Stimme und wür­dest zusam­men mit Freun­den eine Band grün­den. Wel­che Rolle in der Band wäre Deine?
    Äh, ich würde dann wohl gerne den grafischen Teil übernehmen und mich von der Bühne fernhalten.
  • Nenne 5 dei­ner Alben die für Dich unver­zicht­bar mit Szene ver­bun­den sind.
    Christian Death „Only Theatre of Pain“, Shadow Project: „From the heart“, Fields of the Nephilim „Elizium“, The Cure „Pornography“, Siouxsie and the Banshees „A kiss in a dreamhouse“ Wieso? Siehe unten.
  • Wel­che musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten hat für dich das ideale Lied?
    Das lass ich lieber. Es könnte ja jemand dann das ideale  Lied erschaffen und ich hätte keinen Grund mehr was anderes zu hören. Perfektion sollte das ferne Ziel sein, dass man niemals erreicht, weil es ansonsten Stillstand bedeutet.
  • Wel­che Band oder wel­chen Musiker/in wür­dest Du gern mal inter­viewen und auf wel­chen Frage musst Du dabei unbe­dingt eine Ant­wort haben?
    Auch wieder eine Frage, die ich nicht beantworten kann, weil mich der Mensch hinter der Musik nicht wesentlich interessiert. Okay, vielleicht möchte ich Gregg Alexander (New Radicals) mal fragen, ob er noch unveröffentlichte Demoaufnahmen aus alten Tagen hat und die mal auf den Markt schmeissen kann. Nur so, damit die New Radicals Anhänger mal neues Futter kriegen…
  • Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?
    Musik verändert sich, und ist, denke ich, wie alle Künste mehr oder weniger der Spiegel ihrer Zeit. Zwangsläufig wird wohl der Tag kommen wo die Musik die unter Gothic fällt tot ist und als Einfluss in anderen Musikstilen weiterlebt, das klingt erstmal traurig, aber eigentlich ist es das nicht. Es ist bedeutet Weiterentwicklung, und das ist allemals besser als Stagnation. Generell ist in der Welt zu beobachten, dass alte Trends recycelt werden. Sei es nun die Wiedergeburt der 50’er Jahre Mode oder das Deathrock-Revival vor einiger Zeit. Mich wundert nur wieso? Ist es eine diffuse Angst vor der Zukunft die uns hindert, sie wirklich in Angriff zu nehmen, oder schlichtweg, dass die Menschen nach neuen Ausdrucksformen suchen müssen und Musik wie wir sie kennen erneuert werden muss? Ich würde mir wünschen, dass Musiker versuchen Neues zu entdecken, anstatt auf sicherem Boden zu verharren. Nicht, dass ich etwas gegen neuere Deathrockbands habe, nicht doch, ich mag sie teilweise sehr gerne, aber was soll aus unserer Kultur werden wenn zukünftig nur noch Altes aufgewärmt wird? Auch ist Musik heute of inhaltlich sehr, sehr leer, was mir nur dadurch erklärbar scheint, dass wir in stumpfer Leere einen Art Trost finden für eine Welt, die viel zu viel zu bieten hat. Totale Überreizung, da ist die Auseinandersetzung mit allem schlichtweg zu viel.
    Das alles bezieht sich auf Musik im allgemeinen, und nun fragt sich was den zukünftige schwarze Musik für mich wäre. In Musik aus diesen Bereich ist oft ein besonderer Tiefgang zu beobachten (war zu beobachten?) und für die Zukunft wünsche ich mir, dass diese Intensität bleibt. Unabhängig von der Instrumentalisierung oder den Texten, hoffe ich das schwarze Musik wie Dornenreich so schön ausdrücken „Leben und Leidenschaft“ bleibt.
Werbeanzeigen

Eine Antwort to “Gothic Friday – Februar – Musik: Schlichtweg süchtig…”

  1. Danke für deinen schönen Beitrag mal wieder – besonders gefallen hat mir mal deine etwas andere Ansicht zur Zukunft der Musik. Ich kann da zum größten Teil nur nicken – ich hoffe zb auch dass die Intensität bleibt. Persönlich begrüße ich es allerdings, dass Altes aufgewärmt wird. Aus Revivals entwickelt sich auch oft neues bzw. jedes Revival trägt auch in sich schon neue Elemente. Bei der Mode isses zumindest so 😉 und aus meiner Sicht auch bei der Musik, denn jeder Remix, jede Coverversion enthält moderne Elemente. Aber manchmal könnte mehr Experimentierfreude her – da hast du recht. Gibt aber auch solche Bands.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: