Neues Jahr mit alten Problemen

Eigentlich ist es ja doof, dass man das neue Jahr feiert. Es ist ja nicht so, dass sich jetzt alles zum Guten ändert nur weil ein Jahr rum ist, dennoch habe ich das Gefühl, dass wir genau deswegen feiern. Um einen Moment den Wunsch, dass alles besser wird, wahr werden zu lassen. Dieses Silvester war insofern besser als alle anderen, weil es wirklich so war, wie ich mir es vorgestellt habe.

S., E., meine Schwester und ich assen bei E. zu Hause Spaghetti und glühten schon mal mit Rum, Wodka vor. Irgendwann kam es auch zu mittleren Sprachstörungen, so schaffte meine Schwester es einfach nicht zu sagen, dass Eddie Vedder mal fast mit dem Kanu ersoffen wäre. Nein, das hiess jetzt “kanusaufen”…

Danach in einen Club, wo vor acht Jahren Cinema Strange mal aufgetreten sind, und wo ich noch nie war. Ich war sowieso noch nirgends, aber der Club gefiel mir auf Anhieb. Nun machten wir vier Hühner uns mit je einem Bier in der Hand auf zur Tanzfläche, wo meine Schwester plötzlich meinte, falsch brüllte, dass da drüben doch B. stehen würde. Mit B. war ich drei Jahre in einer Klasse. Gymnasium. Leider waren die meisten männlichen Mitgleider meiner Klasse irgendwie Sozialphobiker, was sich besonders in deren Benehmen dem anderen Geschlecht gegenüber äusserte. Irgendwie endete jedes Gespräch innert zwei Minuten, und irgendwann gab ich es auf ihm die Würmer aus der Nase zu ziehen. Den Rest unserer Schulzeit beschränkte sich unser Kontakt darauf, dass er mich dauernd böse anstarrte…

Einfach lieb lächeln, einfach reden, schöne Augen machen und die Tatsache verdrängen, dass meine Schwester mich gerade in seine Richtung schubste. Ich kann stolz sein, denn ich schaffte es tatsächlich etwa zehn Minuten ein normales Gespräch zu führen. Erkenntnis des neuen Jahres war, dass es tatsächlich noch schüchterne Menschen als ich gibt. Toll. Toll, dass er einfach abhaut, sobald ich mich kurz den anderen zu wende.

Arschloch.

Keine Bange, den Abend habe ich trotzdem genossen. Viel getanzt, viel gelacht. Was will man mehr. Schlussendlich bin ich so gegen drei zu E. nach Hause, weil ich langsam wirklich müde war. Meine Schwester und S. feierten noch etwas länger. Es war gut. Besonders deswegen weil ich kein einziges Mal an A. denken musste.

2 Antworten zu “Neues Jahr mit alten Problemen”

  1. Frohes neues Jahr!

    Eigentlich müsstest du ja als potentielle Amokläuferin ja der Sozialphobiker sein, ich würde das als schönes Gefühl empfinden wenn ich merke, das anderen noch mehr Latten am Zaun fehlen als einem selbst.

    “Normal unterhalten” in einem Club ist mir immer noch ein Rätsel, es sei den es gibt einen Chill-Out Bereich. Aber das ist doch eher ein ins Ohr brüllen als eine echte Unterhaltung. Oder?

    Und offenbar hast du eingeschüchtert und er die Gelegenheit am Schopfe ergriffen selbiges mit der Flucht zu tun. Vielleicht ereilten ihn auch massive Minderwertigkeitskomplexe innerhalb der 10 Minuten aufgrund gravierender sprachlicher Mängel :)

  2. Wünsch dir ebenfalls ein frohes neues Jahr =)

    Doch man kann sich schon unterhalten, aber brüllen muss man dazu schon, stimmt^^
    Ach entweder ist man zu schüchtern oder man schüchtert ein, nie ists Recht ;-)

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