12.2.09: „Don Quixote“ Opernhaus Zürich / Cabaret Voltaire
Donnerstag nach der letzten Prüfung war es also so weit, ich begab mich zusammen mit M. und S., die ich aus der Ballettstunde kenne, nach Zürich um das Ballett Don Quixote zu sehen. Vorher wollten wir uns aber noch Zürich ansehen. Es ist a nun mal so, dass ich Zürich höchstens den Bahnhof kenne und das auch nur nachts, weil ich an ein Konzert ging. Im Beitrag zu dem Konzert von The Cure letzten Februar gab ich ja bekannt, dass ich Zürich recht hässlich finde. Schon da war mir bewusst, dass es natürlich auch schöne Stadtteile gibt, aber im Gesamtbild hat Zürich für mich immer noch keine Chance. Wir flanierten bei schönstem Wetter die Bahnhofstrasse zum See hinuter, holten beim Opernhaus unsere Billets ab und liefen dann auf der anderen Seite der Limmat wieder hinauf. Während Gesprächen über Goethe (gibts auch in chinesischer Übersetzung, wie ich erfuhr) und Max Frisch, den M. sehr gerne liest, kam M. dann der tolle Einfall, dass hier das Café Voltaire gleich um die Ecke legen müsste. Das Café, eigentlich Cabaret Voltaire, ist die Geburtsstätte des Dadaismus und die wohl bedeutendste Kunstrichtung die jemals von Zürich ausging. Wir waren also auf der richtigen Seite der Limmat und wussten dass sich das Café an der Spiegelgasse befindet. Nur wo die Spiegelgasse genau war wussten wir nicht. Auf den Plänen bei den Tramhaltestellen (Tram = Strassenbahn) war sie nicht angeschrieben und die Verkäuferin einer Parfümerie guckte nur verwirrt. Die rettende Fee kam dann in Gestalt einer Polizistin die wir an der Mühlestrasse trafen. Wir liefen dann also in die entgegengesetzte Richtung zurück, dieses Mal aber in der Niederdorfstrasse und kamen schon bald ans Ziel. Wenn ihr den Limmatquai hoch geht, dann befindet sich die Spiegelgasse rechts von euch auf der Höhe des Rathausquais. Das Haus an sich ist unscheinbar, aber trotzdem mussten wir Fotos machen. Dann gings es rein, wobei ich zuerst noch über den Preis für einen Kaffee staunte. 3.50 .-, dass ist wäre sogar für Bern billig, aber in Zürich ist das wirklich selten und für ein eher berühmten Ort sowieso. Das Café selbst ist vollständig umgebaut, hat also nur noch die äussere Fassade mit dem ursprünglichen Dadahaus gemein. Im Erdgeschoss befinden sich ein Ausstellungsraum, wo bei unserem Besuch Videoinstallationen liefen. Marilyn Manson hat übrigens letzten Winter seine Bilder im Cabaret Voltaire ausgestellt.
Im ersten Stock befindet sich dann die Cafébar und ein weiterer Raum. Es ist sehr gemütlich eingerichtet und man hat sofort das Gefühl, dass hier nicht nur Studenten der Geistenswissenschaften willkommen sind sondern auch Biologiestudenten. Im ersten Stock gibt es zudem eine kleine Bibliothek mit Büchern über den Dadaismus, die man sich auf Wunsch aufschliessen lassen kann. Ich wünschte es gäbe irgendein gemütliches Café wie das hier in Bern…aber wir haben sowieso keine Zeit, nicht? Jedenfalls hier ein paar Bilder. Und was wir da gemact haben ist wohl klar: Gelabert.
Cabaret Voltaire – Offizielle Seite

Sicht von unseren Plätzen aus…gebt Acht, dass ihr nicht wie wir an der falschen Seite der Bar Schlange steht…
Dann wurde es Zeit für die Oper. Irgendwie habe ich mir anhand des Sitzplanes viel grösser vorgestellt, was aber auch seinen Vorteil hat. Wir sassen im zweiten Rang, Plätze 10,9 und 11, wenn ich mich nicht täusche. Man hat eine gute Sicht auf die Bühne und kann sich bequem auf der Balkonbrüstung abstützen. Nachteilig an der höhe ist, dass die Höhe der Sprünge nicht so beeindruckend wirkt wie wenn man den Bühnenboden auf Augenhöhe hat. Zu dieser Version von Don Quixote die sich sehr nach der Originalversion von Pepita hält muss ich sagen, dass mir eine Version wo die Handlung mehr in die Tanzszenen eingebunden worden wäre, sicher besser gefallen hätte. Entweder wurde die Handlung pantomimisch dargestellt oder es wurde getanzt…
Die Handlung ist an sich recht stupide. Don Quixote erblickt in einem Tagtraum seine idelae Geliebte Dulcinea und macht sich sodann auf die Suche nach ihr. Auf einem Platz vor einem Gasthaus sieht er in Kitri, Tochter des Wirtes Lorenzo, seine geliebte Dulcinea. Ebenfalls darauf erpicht Kitri zu heiraten ist der Adlige Gamache, der bei dieser Angelegenheit tatkräftig von Kitris Vater Lorenzo unterstützt wird. Kitri hält von all dem nichts, gehört ihr Herz doch nur Basil. In der Verwirrung um ein gestohlenes Huhn machen Kitri und Basilio sich davon, um Lorenzo und Gamache zu entgehen. Vor einer Mühle treffen sie auf Landsleute, die sich mit ihnen gegen die eintreffenden Lorenzo und Gamache verbünden. Don Quixote und sein Knappe erscheinen ebenfalls und da er traurige Ritter in alles und jedem einen Feind sieht bekämpft er die Windmühle, die er für einen Riesen hält. Dabei verletzt er sich und in seiner Bewusstlosigkeit begegnet ihm Dulcinea erneut, auch wenn er sie nicht wirklich erreicht.
Kitri und Basil finden in einer Schenke Zuflucht, werden aber bald von Gamache und Lorenzo eingeholt. Um einer Vermählung mit Gamache zu entgehen greifen Kitri und Basil zu einer List. Basil täuscht einen Selbstmord vor, und Lorenzo Herz erweicht sich angesichts seiner untröstlichen Tochter und er gibt dem Paar seinen Segen, was Basilo schnell wieder ins Reich der Lebenden zurück holt. Gamache tobt dementspechend, aber findet sich mit dem Entscheid ab.Im grossen Finale wird dann die Zukunft des Paares gefeiert.
Es war ja mein erstes klassisches Ballett und obwohl ich weiss wie hart das alles ist, vergisst man es. So leicht und schwerelos wirken die Tänzer. Zugegeben perfekt war nicht alles, aber dennoch beeindruckend. Sehr gut gefielen mir auch die Kostüme, die von einem Spanier entworfen wurden. Im Gegensatz zu anderen Produktionen waren die Kostüme nicht so voller Gold, was mir einfach zu kitschig ist. Danach machten wir uns noch auf die Suche nach einem Programm für mich, vorbei an einer Flut von Pelzmänteln. Zu Hause angekommen führte meiner Mutter S. und M. noch zum Studentenwohnheim und mich zu ihr, wo ich dann erst mal eine Riesenportion Spaghetti verschlang und todmüde ins Bett fiel. Ach ja, den ganzen Tag über schmerzte mir mein rechter Arm, was seinen Höhepunkt am nächsten Morgen fand. Danke liebe Professoren…
Dieser Eintrag wurde am Dienstag, Februar 17, 2009 um 11:38 erstellt und unter Leben, Tanz mit Tags Ballett, Cabaret Voltaire, Dada, Dadaismus, Don Quixote, Opernhaus Zürich, Zürich abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.